Interview mit aequitaS / Sons of Ember
Am heutigen Tage zählt der Youtube Channel von aequitaS 7707 Subscriber und der selbst ernannte "Hobbymusiker" steht somit auf Platz 15 der meistabonnierten Musiker insgesamt.Für euch will ich nun einmal herausfinden, welche Persönlichkeit hinter der Stimmgewalt des Multitalents steckt. Zudem möchte ich auch noch etwas mehr über seine Band "Sons of Ember" erfahren, in der er aktiv die Sänger- und Bassisten- Rolle übernimmt und wie es in nächster Zeit nach seinem bestandenen Abitur weiter gehen wird.
TrashAndRiot: Wie erklärst du dir selber deine stetig wachsende Popularität? Vor 2 Wochen hattest du noch 6000 Subscriber, jetzt sind es fast 8000. Denkst du, der Stein kam maßgeblich durch "Coldmirror" (Anm. Coldmirror ist die Nr.1 der abonnierten Channel und bekannt durch ihre Harry Potter Synchros, in der auch aequitaS öfter mal einen Auftritt hat) ins Rollen? Denkst du, du wärst jetzt schon da wo du bist?
aequitaS: Stimmt schon. Coldmirror stellte mich einer großen Zahl von Zuschauern vor, als ich mit ihr und für sie Songs produziert habe und ich denke, das hält noch bis heute an. Andererseits machen auch andere bekannte YouTuber direkt oder indirekt Werbung für mich, wie z.B. DieAussenseiter oder TheTrueBlacky. Ich denke nicht, dass Mundpropaganda allein dafür ausgereicht hätte, dass sich so viele Leute für meinen Channel interessieren.
TrashAndRiot: Und wie gehst du damit um? Wirst du schon auf der Straße angesprochen und nach Autogrammen gefragt?
aequitaS: Ich freue mich drüber. Angesprochen wurde ich schon einige Male, als ich Konzerte von bekannteren Bands besucht habe, aber bis ich nach Autogrammen gefragt werde, muss ich wohl noch ein bisschen mehr auf die Kacke hauen ;)
TrashAndRiot: Du hast nun schon in so einigen Sprachen gesungen, Russisch ist deine Muttersprache, dann war da natürlich noch Deutsch, Englisch, Holländisch und zuletzt ein Duett mit IchigoVodka auf Japanisch. Was kommt als nächstes? Sprichst du außer Deutsch, Russisch und Englisch noch eine andere Sprache?
aequitaS: Ich dachte, ich gehe demnächst auf einige Bitten ein und nehme noch ein Stück auf Russisch auf. Außer den drei genannten Sprachen beherrsche ich zwar keine fließend, aber das hindert mich nicht daran, weiter zu experimentieren. Ich könnte mir z.B. vorstellen, demnächst ein rumänisches Evergreen neu zu vertonen :)
TrashAndRiot: In deiner Band singst du und spielst Bass, außerdem kann man dich in deinen Videos auch an der Gitarre und am Klavier bewundern. Und wenn ich mich recht erinnere, war da auch mal was mit einer Flöte ;) Hast du noch weitere versteckte Talente von denen wir bisher nichts wissen?
aequitaS: Gewiss ... aber die bleiben erstmal versteckt ... will mir noch ein paar Überraschungen für kommende Videos aufsparen ;)
TrashAndRiot: Wann hast du denn das erste Mal ein Instrument in der Hand gehalten und wann hast du angefangen zu singen?
aequitaS: Das ist lange her. Da waren wir gerade nach Deutschland gezogen in den frühen 90ern und ich weiß noch, dass ich ein kleines batteriebetriebenes Keyboard hatte, auf dem ich die C-Dur Tonleiter beigebracht bekommen habe. Das Interesse fürs Singen kam bei mir allerdings recht spät auf ... die erste Aufnahme mit ernsthafter Bemühung lässt sich auf 2006 datieren (wobei ich meine ersten Songs schon um 2004 verfasst habe).
Anm: Erstaunlich wie lang uns doch diese wunderbare Stimme vorenthalten wurde, bis er sie selber entdeckte!
TrashAndRiot: Kannst du dich an deinen ersten Lieblingssong oder deine Lieblingsband erinnern?
aequitaS: Ja, komischerweise kann ich das. Damals war ich etwa 3 Jahre alt und es war Igor Talkov mit dem Song "Pamyati Viktora Coja" ... eine wunderbar traurige Hookline zusammen mit einem sehr tiefgründigen Text.
TrashAndRiot: Wie bist du letztendlich beim Metal gelandet?
aequitaS: Durch Death. Nachdem ich mich von Metallicas "One" für eine Illustration hatte inspirieren lassen, empfahl mir ein Bekannter, in "Pull The Plug" reinzuhören, da es seiner Aussage nach künstlerisch aussagekräftiger sei. Langer Rede kurzer Sinn: Gehört. Verliebt. Bis heute beim Metal geblieben.
TrashAndRiot: Wer hat deinen musikalischen Stil hauptsächlich geprägt?
aequitaS: Nun da wären zuerst einmal Opeth, die ich seit geraumer Zeit vergöttere und die mir die Furcht vor krummen Takten, Modulationen, Tempowechseln und anderen Spielereien genommen haben, was sich vor allem in den härteren Kompositionen unserer Band zeigt. Sie waren es auch, die mir gezeigt haben, dass man sich auf keinen Fall auf einen Stil beschränken darf. Zum anderen ist es auch die Musikkultur meines Heimatlandes, die meine Vorliebe für östliche Tonleitern verschuldet hat.
TrashAndRiot: Denkst du Youtube ist heutzutage das ultimative Medium um sein eigenes Talent zu verbreiten? Millionen von Menschen tun dies mittlerweile, aber nur die wenigsten von ihnen schaffen den Sprung bis zu einem Plattenvertrag und heraus aus Youtube in die Charts. Bei dir stehen die Chancen nicht schlecht wenn ich das Recht sehe!
aequitaS: Schön, dass du so zuversichtlich bist.
Ich sage es mal so: YouTube ist omnipräsent und trägt auch einen guten Teil zur Verbreitung von Musik bei. Allerdings denke ich nicht, dass man sich ohne regelmäßige Konzerte und andere mediale Präsenz eine fundierte Fanbase erspielen kann.
TrashAndRiot: Du hast gerade dein Abitur erfolgreich hinter dich gebracht. Wie geht es nun weiter? Wirst du dich mehr auf deine musikalische Karriere konzentrieren?
aequitaS: Ich werde die Musik schon nicht vernachlässigen aber einen Plan B bau ich mir trotzdem auf. Soll heißen: Vorerst ein Studium.
TrashAndRiot: Wenn du dir jemanden für ein Duett aussuchen könntest, wen würdest du wählen?
aequitaS: Jan Hegenberg.
TrashAndRiot: Und warum?
aequitaS: Weil ich mir den daraus entstehenden folkigen Accousticsound richtig geil vorstelle ;)
TrashAndRiot: Du wirst sicher täglich mit Fragen und Emails bombardiert. Da war sicher auch mal die ein oder andere Nachricht zum Schmunzeln dabei. Was war bisher die komischste Frage, die du bekommen hast?
aequitaS: "Ist das da neben dir dein Bruder? o.O" - Auf das 1000 Meere Video mit dem Klon bezogen ;)
TrashAndRiot: Wie gehst du mit "Stalkern" um, jeder hat sie früher oder später mal, auch du?
aequitaS: Ich ignoriere sie einfach!
TrashAndRiot: Am 1. April verbreitete sich ein von dir hochgeladenes Video wie ein Lauffeuer, in dem du verkündest, dass vor dir dein Plattenvertrag mit Roadrunner Records liegt. Leider war es der erste April und einige deiner Fans waren sicher enttäuscht, dass du sie veräppelt hast, denn viele hoffen doch, dass du eines Tages einen Plattenvertrag bekommst.
Wäre denn Roadrunner Records das Label deiner Wahl?
aequitaS: Wäre schon nett, obwohl ich die ganze Urheberrechtspolitik von Warner nicht unterstütze. Allerdings sind Opeth auch dort - hab ich schon erwähnt, dass ich Opeth liebe?! Aber ich glaube nicht, dass ich der Künstler ihrer Wahl wäre.
TrashAndRiot: Du hast auch ein etwas kritischeres Anti-Kommerz-Video gemacht und kurzerhand "1000 Meere" von Tokio Hotel umgetextet (sehr gut wie ich finde).
Kannst du verstehen, warum so viele Menschen Musik machen, hinter der keine echten Gefühle stehen? Tausende von Musikern überschwemmen die Charts mit Songs, die sich immer wieder um die gleichen Dinge drehen. Die meisten von ihnen schreiben ihre Texte nicht mal selbst, sondern deren Songwriter, noch haben manche von ihnen jemals ein Musikinstrument in der Hand gehalten und sind praktisch nur eine Puppe im sich immer schneller drehenden Uhrwerk der Musikindustrie.
Was würdest du tun wenn dir ein Plattendeal angeboten wird, du dich aber nicht mehr aktiv am Songwriting beteiligen könntest, sondern das Label über die Hauptvorgänge bestimmt? Kannst du verstehen warum so viele junge Menschen sich auf diese Konditionen einlassen? Und was denkst du, könnte man tun um sich davon zu lösen und wieder etwas individuellere Musik unter die Massen zu bringen?
aequitaS: Die Aussicht auf Geld ist für viele junge Künstler sicher verlockend. Aus der Sicht der Producer und Konsumenten ist es wohl einfach Bequemlichkeit. Es ist ein wenig wie beim Fast Food: Klar - du könntest dir jetzt ein frisch geschlachtetes Steak mit Pfeffersauce und goldig angebackene Kartoffeln, dazu noch Gemüse und einen guten Wein besorgen. Machst du aber nicht, sondern fährst beim nächsten McDonald's vorbei. Warum? Weniger Zeitaufwand, kleinerer Kostenfaktor, Gewohnheit. Konsumware aus der Dose wird immer beliebter (Danke, Amerika!) und davon bleibt auch die Musik nicht verschont. Für mich wäre so ein Deal wohl eher nichts.
Man wird da wohl auch nicht viel gegen tun können. Es liegt einfach in der Natur der "Masse" Massenware zu konsumieren. Individuelle Musik trägt ihr Problem schon im Namen: Sie ist nicht für jeden, also wird sie auch nicht bei jedem ankommen - schon allein deswegen nicht, weil nicht jeder die Muße hat, nachzudenken oder sich von seiner Gewohnheit zu lösen. Aber das ist auch nicht weiter schlimm. Schließlich sind die noblen Steakhäuser dieser Welt auch noch nicht ausgestorben ;)
TrashAndRiot: Nun lass uns doch mal über deine Band "Sons of Ember" sprechen. Stell uns doch bitte die Bandmitglieder vor.aequitaS: Also Michi (Drums) und Felix (Gitarre) kenne ich noch von der Schule. Die beiden haben mich bei einer Jam Session im Musiksaal angeheuert. Im Proberaum sind die beiden ein eingespieltes Riff-Duo, bei dem immer etwas "Arschtretendes" herauskommt, wie Michi sagen würde ;). Andi (Leadgitarre) ist ein Bekannter vom Michi, der als Letzter zur Band gestoßen ist. Ein sehr disziplinierter Musiker, der sich zwar seltener aber dafür dann umso genialer am Songwriting beteiligt.
TrashAndRiot: Wann habt ihr euch gegründet und warum?
aequitaS: Ende 2007 müsste das gewesen sein. War eine recht spontane Aktion. Michi und Felix haben einen Sänger gesucht und ich hatte Lust, mal irgendwo aufzutreten. Eine Hand wäscht die andere.
TrashAndRiot: Wie würdet ihr euren eigenen Stil beschreiben?
aequitaS: Progressive Vegetarian Grind Core. Nein im Ernst ... Metal reicht - alles andere wäre Haarspalterei.
TrashAndRiot: Hat es einen Grund, dass du in euren Songs sehr wenig deinen prägenden Clean Gesang benutzt sondern eher auf Growls zurückgreifst?
aequitaS: Klar! Ich spare meine cleanen Vocals für meine Soloshow auf ;). Nein, also der wahre Grund ist einfach die Grundstimmung der Songs. Zu treibenden, teils dissonanten Riffs passt cleaner Gesang meist nicht, vor allem wenn es nur eine Stimme ist. Außerdem fahren die anderen Bandmitglieder auf diesen oldschooligen Sound ab, da ist meist kein Platz für solcherlei Stilüberkreuzungen.
TrashAndRiot: Bist du derjenige der sich hauptsächlich um das Songwriting kümmert? "In my Mind" zum Beispiel ist ein sehr persönlicher Song mit einem traurigen Hintergrund. Ist es dir wichtig, vor allem deine Gefühle und Erlebnisse in Songs zu verarbeiten?
aequitaS: Bis auf wenige Ausnahmen stammen die Lyriken aus meiner Feder. Gefühle und persönliche Bezüge sind mir schon wichtig, da man Themen sonst nur sehr oberflächlich behandeln kann und die Formulierungen sehr erzwungen klingen. Ich hasse es auch, Songs zu performen, mit denen ich mich nicht wirklich identifizieren kann, was meist der Fall ist, wenn ich fertige Lyriken von jemand anderem vorgelegt bekomme.
TrashAndRiot: Wer sind eure Vorbilder?
aequitaS: Da hat jeder seine eigenen. Michi und Felix fahren da eher auf die modernen Sachen wie Scar Symmetry, Machine Head oder Children of Bodom ab, Andi lässt sich auch gern von Oldschool inspirieren und ich guck mir von jedem was ab, den ich zu hören bekomme.
TrashAndRiot: Wie viele Konzerte habt ihr bisher gespielt und wie waren bisher die Resonanzen darauf?
aequitaS: Sehr viele Konzerte waren es noch nicht, ich glaube noch keine 20. Die Reaktionen waren unterschiedlich, auch abhängig von der Location, aber zumindest wurden wir noch nie von der Bühne gepfiffen.
TrashAndRiot: Welcher ist dein persönlicher Lieblingssong, den du selber geschrieben hast ?
aequitaS: Ironischerweise der, den sonst keiner mag: Ode to Jam. Er fängt den Moment der Entstehung perfekt ein, klingt naiv und simpel und man kann mit ihm super Stimmung machen.
TrashAndRiot: Ist dir schon mal was echt Peinliches auf der Bühne passiert?
aequitaS: Ich habe einmal betrunken gespielt. Würde ich nicht weiterempfehlen. Hab noch nie so scheiße gespielt wie an dem Tag und das macht keinem Spaß. Aber was Peinliches? Mir ist eigentlich nichts peinlich auf der Bühne und ich finde, als Musiker sollte man sich auch für nichts schämen.
TrashAndRiot: Wann können wir denn mit eurer ersten CD rechnen? Wie ich weiß, habt ihr wohl schon einige Zeit im Studio verbracht?
aequitaS: Ja das stimmt und bald ist es auch schon so weit. Ab übernächster Woche werden die Vocals aufgenommen und dann hängt es nur noch von unserem Tontechniker ab.
TrashAndRiot: Wie viele Songs wird das Album beinhalten?
aequitaS: Voraussichtlich 8.
TrashAndRiot: An welchem Ort der Welt würdest du gerne einmal mit deiner Band spielen?
aequitaS: In dem lauschigen kleinen Dörfchen in Schleswig-Holstein in der Nähe von Itzehoe, auf das ich wohl nicht näher eingehen muss.
TrashAndRiot: Haben eure Eltern schon mal ein Konzert von euch besucht und wie stehen sie zu euch und der Band? Werdet ihr von ihnen unterstützt?
aequitaS: Ich glaube Michis Eltern waren schon bei ein Paar Konzerten dabei und denen scheint das teils wirklich zu taugen. Meine Eltern dagegen mögen eigentlich nur mein Solozeug, aber das ist mir auch recht. Jetzt, wo ich mit der Schule fertig bin, haben die auch keine Argumente mehr dagegen.
TrashAndRiot: Was ist dein größter Traum?
aequitaS: Die Möglichkeit zu bekommen, in den Club 27 aufgenommen zu werden ;)
(Ob ich sie nutzen würde, weiß ich noch nicht.)
TrashAndRiot: Und was ist dein größter Alptraum?
aequitaS: Taub zu werden!
TrashAndRiot: Und nun sind wir auch schon am Ende angekommen.
Was möchtest du den Lesern und deinen Fans da draußen noch mitteilen?
aequitaS: Ok. Nur ein Ratschlag: Trinken ... ohne Wodka ... ist rausgeschmissenes Geld!
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