Interview mit Mikko & Heikki / Discard


Da vor unserer Ankunft am Knaack noch nicht feststand, ob wir ein Interview mit Discard haben werden, bereiteten wir lediglich ein paar Fragen vor, für den Fall, dass die Band dennoch wenige Minuten Zeit hat.
Am Ende warf man sie aufgrund unserer Interviewanfrage aus den Betten, damit sie uns knapp eine Stunde vor Konzertbeginn Rede und Antwort stehen konnten.
Selbstverständlich tun uns die Unannehmlichkeiten leid und wir wissen es wirklich zu schätzen, dass sich Mikko und Heikki die Zeit genommen haben, sich ein wenig mit uns zu unterhalten, auch wenn sie schrecklich müde waren.


"Want to taste my nuts?"

finnbands: Wir haben gar nicht so viele Fragen, da wir nicht wussten, ob wir das Interview heute überhaupt haben werden. Es ist also eher spontan und deswegen müsst ihr viel reden!
Mikko: Yeah, okay. Wir sind ja auch grad spontan hier.
finnbands: Seid ihr zum ersten Mal in Deutschland?
Heikki: Ja.
Mikko: Ja.
Heikki: Ich bin zum ersten Mal außerhalb Skandinaviens seit ich zwei oder drei oder so groß wie diese Bierflasche hier war. Es ist also schon spannend, auch wenn wir nicht die Zeit hatten, uns die Stadt anzugucken oder ähnliches. Wir haben den Soundcheck gemacht und wollten uns dann eine Pause im Hotelzimmer gönnen.
Mikko: Die wir nicht bekommen haben!
Heikki: Yeah, danke.
finnbands: Tut uns leid.
Mikko: Es wäre nett, Berlin ein bisschen besser kennen zu lernen, aber dafür haben wir nicht viel Zeit.
Heikki: Ich würde mir gern diesen großen, verdammten Fernsehturm angucken, den ihr hier habt.
finnbands: Yeah, der ist nicht weit weg.
Heikki: Nicht?
finnbands: Zehn Minuten zu Fuß vielleicht.
Heikki: Ist er lange geöffnet?
finnbands: Ich bin mir nicht sicher. Bis Acht oder Neun vielleicht? Wenn ihr euch also nach dem Interview beeilt, könnt ihr den noch angucken gehen.
Heikki: Ich würde sicher nur hoch gucken und denken 'Oh nein. Da führt kein Weg rauf.'
finnbands: Aber er ist wirklich dicht dran. Man kann ihn von hier aus sehen.
Mikko: Wir sind im Moment nicht motiviert genug für einen Spaziergang. Wir versuchen unsere Energie für den Gig zu bewahren.

finnbands: Was erwartet ihr denn vom deutschen Publikum?
Heikki: Ich habe gehört, dass sie energiegeladen sein sollen. Sie sind ja musikalisch nicht ungebildet und stehen nicht einfach nur rum und denken ‚Das ist doch Scheiße. Guck dir das mal an, er hat die falsche Note gespielt.'
Mikko: Für gewöhnlich ist das so, wenn du in Finnland zu einem Gig in eine Bar gehst. Da stehen einige Leute immer ganz hinten, trinken ihr Bier und zeigen mit dem Finger auf dich, wenn du einen Fehler machst ‚Gerade hat er falsch gespielt.' Das ist doch Mist.
Heikki: Das ist wirklich deprimierend, denn niemand sollte zu einem Gig gehen, nur um die Musik der Band haarklein auseinander zu nehmen. Sie sollten sich viel mehr auf die Erfahrung als Ganzes konzentrieren.
Mikko: Mit der Band interagieren.
finnbands: Aber passiert das denn so oft in Finnland?
Heikki: Nein, nicht überall. Irgendwie ist es verrückt, denn in Helsinki, der Hauptstadt Finnlands, wo es im Jahr so viele Metal Gigs gibt, wirkt das Publikum immer am meisten unbeteiligt. Wahrscheinlich wird ihnen zu viel Unterhaltung geboten und die ganze Sache langweilt sie mittlerweile.
Mikko: Sie haben zu viele Gigs und das langweilt sie.

finnbands: Ihr habt im letzten Jahr euer erstes Album veröffentlicht und es bekam ziemlich gute Kritiken in Finnland. In Deutschland kennt euch dagegen kaum jemand. Beschreibt doch bitte einmal die Band und eure Musik in eigenen Worten.
Mikko: Nun ja, es ist ein Mix aus Death Metal und Thrash Metal mit eingängigen und fetzigen Riffs und...
Heikki: ...Hooks.
Mikko: Yeah.
Heikki: Es ist schwer, genau zu beschreiben, wie das Album klingt. Man muss es wirklich selbst hören, um sich über den musikalischen Stil und die Mischung der unterschiedlichen Stile eine Meinung bilden zu können.
Mikko: Wir haben verrückte Gitarrenriffs und eine Menge Thrash-Drumparts...
Heikki: Yeah, ich denke, wir behaupten uns verdammt gut.

finnbands: Der Sänger der Band Amorphis ist auf einigen Songs eures Albums vertreten. Wie kam es denn zu dieser Zusammenarbeit?
Heikki: Es war...
Mikko: ...so etwas wie ein Unfall. Wir dachten lediglich über die wenigen Clean Vocals nach, die wir auf unserem Album haben und wollten die besten Clean Vocals haben, die möglich sind. Ich weiß gar nicht mehr, wer es eigentlich vorschlug...
Heikki: Das war Markus von unserer Plattenfirma. Er kam als erster auf die Idee, dass Tomi Joutsen auf dem Album singen könnte. Ich weiß nicht, ob sie enge Freunde sind, aber zumindest sind sie Bekannte. Er überzeugte also Tommi davon, auf unserem Album zu singen und anstelle von Geld gab er ihm ein signiertes Poster von Turbonegro als Bezahlung. Das war sehr nett.
Mikko: Tommi ist tatsächlich ein großer Fan von Turbonegro.
Heikki: Er ist ein guter Sänger und ein toller Typ. Er hat vor ein paar Monaten sogar einen Gig in unserer Heimatstadt Joensuu mit uns gespielt. Das war ziemlich cool.

finnbands: Auch wenn euer erstes Album gerade erst ein halbes Jahr alt ist, wie sieht es mit einem zweiten aus? Arbeitet ihr schon daran?
Mikko: Nein.
Heikki: Langsam. Alles geht sehr langsam. Wir sind keine von den Bands, die hundert Songs schreiben und dann mit Glück zehn gute dabei haben. Im Regelfall mache ich Songs auch komplett fertig, ehe sie zum ersten Mal geprobt werden. Das führt manchmal zu Problemen...nicht wirklichen Problemen, aber als wir anfingen, dass Album aufzunehmen, hatten wir eine Hand voll Songs und wussten, dass wir genau diese aufnehmen werden. Weißt du, wir hatten keine zusätzlichen Tracks oder so was.
Mikko: Wir hatten nur einen zusätzlichen Track, den wir aufnahmen. Wir machen nicht so viele Tracks.
finnbands: Es wird also noch ein paar Jahre dauern?
Mikko: So lange wird es wohl nicht dauern. Wir machen eben nicht so viele zusätzliche Songs, sondern nur die, die wir auch aufnehmen werden.
Heikki: Aber es wird anders. Wir sind nicht Manowar, die die gleichen Songs immer wieder singen. Es wird anders. Es wird genauso gut, aber eben auf andere Art und Weise.

finnbands: Es hat beinahe den Anschein, als sei jeder Typ in Finnland Mitglied in einer Band oder zumindest ein Musiker. Welche Gründe hattet ihr, das Musikgeschäft für euch zu wählen und in einer Band zu spielen?
Mikko: Erst war es ein Hobby und dann ... nun sind wir hier.
Heikki: An einem bestimmten Punkt bemerkte ich, dass ich ein schrecklicher Sänger bin und entschied, dass ich mehr Volumen in meine Stimme packen muss und ich fand, dass es gut klang. Ich begann also diese Sache mit den Growls und mache das inzwischen seit fast sieben Jahren. Mit der Hilfe meines Freundes Jack Daniels und so.
Mikko: Ich denke nicht, dass wir es uns ausgesucht haben, Musiker zu werden. Das ist einfach passiert.
Heikki: Es ist nur ein Hobby, das total außer Kontrolle geraten ist...und das nächste, woran du dich erinnern kannst, ist, dass du in Deutschland warst.
Mikko: So kann es weiter gehen.
Heikki: Ihr habt gutes Bier hier.
finnbands: Das ist aber gar nicht das Beste.
Heikki: Yeah, ich weiß, aber es ist billig.

finnbands: Kommen wir nun also zur Zukunft: Wo seht ihr die Band in zehn Jahren?
Mikko: Oh, frag doch so etwas nicht. Ich weiß nicht einmal wo ich mich selbst in zehn Jahren sehe.
finnbands: Es soll ja Bands geben, die bestimmte Träume haben...
Heikki: Totale Alkoholiker. Ich denke, wenigstens ein Mitglied wird bis dahin tot sein. Ich würde ja auf mich selbst tippen. Ich bin mir da aber noch nicht so sicher. Ich bin nicht selbstmörderisch veranlagt oder so, aber ich habe dieses Gefühl im Hinterkopf, dass ich nicht lange in dieser Welt leben werde...aber ich nehme einfach noch einen Drink.
finnbands: Also werdet ihr einfach weiter spielen und sehen was passiert?
Mikko: Yeah. Hoffe auf das Beste, erwarte das Schlimmste. Das ist eine langweilige Antwort, aber wir haben keine bessere.

finnbands: Wenn ihr euch eine Band (oder einen Künstler) aussuchen könntet, um diese auf deren Tour zu supporten - wer würde das sein?
Heikki: Ich wähle...fuck, ich weiß es nicht. Es gibt zwei Bands, die ich schon immer sehen wollte. Eine ist Morbid Angel. Die werden wir im Sommer auf dem Tuska Festival sehen, auf dem wir auch spielen und die andere Band ist Clutch, eine Amerikanische Rockband. Wahrscheinlich die letzte echte Rockband, die noch Eier hat. Wir sind ja keine Rockband, oder?
Mikko: Nein, ich denke nicht.
Heikki: Ich würde gerne einmal mit den Typen spielen. Sie sind unglaublich cool. finnbands: Noch einen Wunsch?
Mikko: Ich weiß es wirklich nicht. Wahrscheinlich ist es so, dass sich die Band, mit der du dir schon immer gewünscht hast, auf Tour zu gehen, am Ende als Gruppe voller Motherfucker entpuppt, denen alles egal ist. Ich weiß es nicht. Ich mag viele Bands, aber...vielleicht wird es ja auf dem Tuska in diesem Jahr gut, denn Slayer kommen. Die habe ich vorher noch nie gesehen.
Heikki: Manche Leute sind eher als Support geeignet, als als Headliner. Dann hat man weniger Druck und...
Mikko: Wenn man als Erster spielt.
Heikki: Yeah, wer als Erster spielt, kann sich auch als Erster betrinken.

finnbands: Ihr habt das Tuska Festival ja bereits erwähnt und in diesem Jahr werdet ihr dort spielen. Freut ihr euch schon darauf?
Heikki: Ja, das wird großartig.
Mikko: Definitiv, yeah.
finnbands: Habt ihr spezielle Erwartungen?
Heikki: Ich hoffe, dass wir die Aufmerksamkeit von wichtigen Leuten auf uns ziehen können.
Mikko: Und mit den Typen von Slayer Backstage ein Bier trinken, das wäre sicher lustig.
Heikki: Ich möchte gern herausfinden, ob David Vincent von Morbid Angel wirklich ein so großes Arschloch ist, wie er es heute zu sein scheint. Ich würde gern ein paar Worte mit ihm wechseln, schließlich ist er der großartigste Death Metal Sänger aller Zeiten, ganz gleich was für ein großes Arschloch er ab und an sein kann.

finnbands: Okay, eigentlich sind wir durch, aber ich habe noch eine Frage, die ich Stam1na vorhin im Interview auch schon gestellt habe: Im Fernsehen sagten sie neulich, dass Metalmusik böse und von Satan gemacht ist. Was sagt ihr dazu?
Heikki: 100 % wahr. Es ist außer Kontrolle, aber...
Mikko: Es ist zu 100 % wahr, dass Metal böse und von Satan gemacht ist, aber Satan und auch der Weihnachtsmann sind von Menschen erschaffen. Also sind die Menschen böse.
finnbands: Yeah, das hast du aber geschickt gedreht.
Mikko: Wir sind Satan!
Heikki: All diese so genannten Satanisten, sie haben ihre Überzeugungen und ich bin froh, dass sie etwas haben, woran sie glauben können. Zumindest einige von ihnen. Es ist immer gut, ein Ziel im Leben zu haben und zu versuchen, etwas zu erreichen, auch wenn diese Errungenschaften dummer Mist sind, wie Kirchen niederzubrennen. Ihr Leben beeinflusst meines ja nicht. Solang es nicht zu dem Punkt kommt, an dem ihres meines negativ beeinträchtigt ... aber so lange: Tut doch was ihr wollt. Ist ja euer Leben.
Mikko: Hauptsache ihr tut etwas.
Heikki: Ich hab gehört, dass Satan ein cooler Typ ist.
Mikko: Oh, das weiß ich nicht. Ich traf ihn nie.
Heikki: Das mit den Hörnern und der Mistgabel und den Flammen ist alles Blödsinn.
Mikko: Ist er rot?
Heikki: Ich weiß nicht. Ich kann dir auch nicht sagen, ob er mit Saddam Hussein schläft.
Mikko: Oh, yeah. Die Folge hab ich gesehen.
Heikki: Ich habe das alte Testament gelesen und irgendwie war es unterhaltsam. Das neue ist wie ein verdammter Disneyfilm. Gott ist ein großartiger Typ mit all dem Feuer und Schwefel.
Mikko: Feuer und Blitze!
Heikki: 'Hey du, dreh dich nicht um! Ich verwandele dich in eine Salzsäule, du verdammte Schlampe!' Sodom und Gomorrha, verdammter Wahnsinn.
Mikko: Das ist Sparta!

finnbands: Jetzt sind wir aber wirklich fertig. Wenn ihr noch etwas loswerden wollt, nur zu.
Mikko: Nein.
Heikki: Ich entschuldige mich für uns.
finnbands: Das brauchst du nicht. Danke für das Interview.

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