Interview mit Sebastian Bow & Ilari / Parasite City


Wir waren um 21:00 Uhr mit "den Parasiten" in der Streetbar des On The Rocks verabredet. Aufgrund deutscher Pünktlichkeit betraten wir bereits 15 Minuten vor der Zeit die Bar und vertrieben uns das Warten mit Drinks und Spekulationen darüber, wie viel zu spät die Jungs wohl sein werden - schließlich waren wir Finnland, also ist nichts ungewöhnlich. Doch um Punkt Neun kam Sebastian aus dem Club nach oben in die Bar, um uns zu treffen. Wunderbar.
Den gemeinsamen Whiskeykonsum verschoben wir auf später und warnten die beiden vor, dass unser Interview von einer besonderen Art Humor geprägt sein wird.


finnbands: Ist einer von euch nymphoman veranlagt?
Ilari: *zeigt auf Sebastian* Er! Ist er wirklich.
Sebastian: Ich weiß nicht, ich denke nicht. Ich genieße Sex, es macht Spaß.
Ilari: Ich denke, er ist wirklich nymphomanisch.
Sebastian: Nur weil ich jeden Tag Sex haben möchte, macht mich das nicht nymphoman. Tut es nicht.
Ilari: Viele Mal am Tag.
Sebastian: Und dennoch ist es normal ... oder nicht? Ich weiß nicht. Okay, vielleicht bin ich in unserer Band am dichtesten dran, nymphoman zu sein…aber es ist normal, weißt du. Als junger Mann fühlst du eben solche Dinge. Warum auch nicht?!
finnbands: Es ist okay.
Ilari: Und all die sonderbaren Leute denken, sie sind normal.
finnbands: Ja, selbstverständlich...das ist das großartige daran.
Sebastian: Ich bin nicht sonderbar. Wenn ich keinen Sex haben kann, macht es mich sonderbar. Verdammt.

finnbands: Habt ihr jemals eine Samstagnacht wie in "Rockstar" verbracht?
Sebastian: Ich weiß nicht, ob es eine Samstagnacht war. Ich kann mich nicht mehr erinnern, aber ja, das tat ich. Außer die Limosine. Bisher war ich noch in keiner Limo. Aber den Rest hab ich in der einen oder anderen Nacht schon gemacht. Nur ob es ein Samstag war, weiß ich nicht mehr.
finnbands: Alles in einer Nacht?
Ilari: Manchmal.
Sebastian: *ruft sich die Lyrics ins Gedächtnis* "I'm a rock'n'roll star on a Saturday night, I'm smoking my cigar and drinking my wine, driving in the limos and have a good time, I'm choosing from the women who are standing in line | A rock'n'roll star on a Saturday night, I got money to burn, I got planes to fly..."
Ich besitze keine Flugzeuge. Ich kann in kein Flugzeug einsteigen und fliegen, ich kann das einfach nicht, weißt du. Also abgesehen vom Fliegen und dem Fahren in einer Limo, habe ich alles in einer Nacht gemacht.

finnbands: Was tut ihr in einer gewöhnlichen Samstagnacht?
Sebastian: Das ist bei jedem von uns unterschiedlich. Ich sehe meistens Fußball ... und trinke. Trinken und Fußball schauen und manchmal gehen wir auch aus.
Ilari: Ich unternehme immer etwas mit irgendjemandem.
Sebastian: Das tust du für gewöhnlich jede Nacht.
Ilari: Yeah, das ist mein Leben.
Sebastian: Das ist normal. *lacht*
Ilari: Das ist es.

finnbands: Was ist der Unterschied zwischen me, myself, my kind and I?
Sebastian: Die Grundlage, weißt du, Synonyme für dasselbe Wort, das Egoismus beschreibt.
Ilari: Es ist ein wenig schizophren.
Sebastian: Yeah.
Ilari: Er ist normal.
Sebastian: Es ist normal.
Ilari: Schizophrenic, nymphomaniac.
Sebastian: *lacht* Schizophrenic. Das reimt sich! Wie er schizophrenic, nymphomaniac sagt. Lass uns einen Song darüber machen, das wäre sicher lustig.

finnbands: Habt ihr immer getan, was eure Eltern von euch erwarteten als ihr noch Teenager ward?
Sebastian: Yeah, ich denke.
finnbands: Wirklich?
Sebastian: Ja, das tat ich.
Ilari: Ich tat das nie.
Sebastian: Natürlich tat ich die Dinge, die sie von mir erwarteten, auch oft nicht. Aber grundsätzlich tat ich, was sie von mir erwarteten.

finnbands: Habt ihr jemals romantische Sachen gemacht, wie die Sterne am Nachthimmel zu beobachten?
Sebastian: Yeeeah, und danach tat ich etwas anderes, aber das kann ich dir jetzt nicht erzählen... *lacht* Wir beginnen romantisch und betrachten den Nachthimmel ... ja, das tat ich.

finnbands: Auch wenn es einen "place like home" nicht gibt: An welchem Ort seid ihr am liebsten?
Sebastian: Neben meinem eigentlichen Zuhause? *denkt lange Zeit nach* Das ist eine schwere Frage, aber ich glaube, dann ist es die Weihnachtszeit bei meinen Eltern. Weißt du, ich sehe sie nur einmal im Jahr an Weihnachten. Also eine Woche oder zwei, wenn ich Glück habe. Dann verbringe ich meine Zeit mit meinen Eltern oben im Norden. Ich sehe sie einmal im Jahr, es ist also der zweitbeste Platz - persönlich gesehen, neben dem Ort an dem ich lebe.
finnbands: Und was ist mit dir, Ilari?
Ilari: Ich denke, mein anderes Zuhause...eigentlich sind es zwei Zuhause...Dog's Home und Amadeus in Tampere - die lokalen Bars. Dort verbringe ich wirklich zu viel Zeit. Aber ich liebe es.
Sebastian: Das ist normal. *lacht*

finnbands: Glaubtet ihr als Kinder an Monster und Dämonen unter euren Betten / im Schrank?
Sebastian: Ja und ich hatte echt Angst vor denen. Ich hatte eine Nachtlampe an, wenn ich schlafen wollte. Ich hatte echt Angst in der Dunkelheit, weißt du. Ich dachte, die Monster kommen immer näher oder verstecken sich unter meinem Bett. Das war schrecklich! Die kamen unter meinem Bett vor und solche Sachen, verdammt. Ich hatte echt Angst und konnte deshalb manchmal gar nicht einschlafen. Wenn ich einen Horrorfilm sah, konnte ich das Schlafen danach vergessen.

finnbands: Vampire zerfallen zu Staub im Sonnenlicht. Seid ihr eher Tag- oder Nachtmenschen? *zu Ilari* Du bist ein Nachtmensch...
Ilari: Das bin ich, definitiv!
Sebastian: Ich mag Abende und Nächte, ja. Ich mag morgens nicht früh aufstehen. Eher am späten Nachmittag. Aufwachen, essen und sich gut fühlen und mit Freunden rumhängen. Die ganze Nacht Fußball gucken.
finnbands: Du bist also ein großer Fußballfan?
Sebastian: Ich bin ein riesengroßer Fan vom Fußball. Ich bin Engländer, also bitte!

finnbands: Wie kann jemand jeden Tag mitten in der Nacht aufwachen?
Sebastian: Ich bin heute Nacht fünf Mal aufgewacht.
finnbands: Aber jeden Tag? Tageszeit und Nachtzeit, verstehst du? Ilari: Für einige Leute ist die Tageszeit die Nachtzeit!
finnbands: Okay...
Sebastian: Das ist eine Fangfrage!

finnbands: Was denkt ihr über Veranstaltungen in denen Bands gegeneinander antreten, wie z.B. den ESC? Würdet ihr daran teilnehmen?
Sebastian: Im Eurovision Song Contest? Ja natürlich, warum auch nicht?! Ich würde es tun, weiß aber nicht, wie die anderen darüber denken. *an Ilari* Würdest du es machen?
Ilari: Ich würde nur gehen, wenn die anderen gehen wollen würden. Ich denke nicht, dass es falsch ist. Ich finde nicht, dass es etwas ist, was Rockbands nicht tun sollten.
Sebastian: So lange wir unsere Musik spielen können, ist es cool. Ich weiß natürlich nicht, ob sie Playback spielen müssen, aber ich denke, das tun sie. Zumindest die Musik, vielleicht singen sie live und so, aber das wäre dann Scheiße. Es hängt davon ab, ob du live spielst oder nicht. Ich würde es tun. Generell ist dieses ganze Battle of the Bands Zeug gute Unterhaltung. Das Ding ist nur, dass die Bands die daran teilnehmen, das Ganze nicht so ernst nehmen sollten. Am Ende schafft es immer die kleine Gruppe, die nicht aufgibt und weiter macht. Bekannte und große Bands machen nicht mit und die guten Bands kommen weiter...aber sie nehmen es zu ernst. Es ist nur ein Wettbewerb.

finnbands: Ist euch der rote Faden in den letzten 10 Fragen aufgefallen?
Sebastian: *ist verwirrt* Was? Den hab ich wohl verpasst... Ist das schon wieder eine Fangfrage? *lacht*
finnbands: Es gab einen Zusammenhang in den letzten 10 Fragen.
Sebastian: Nein, das ist mir nicht aufgefallen! Das hab ich voll verpasst, tut mir leid!
finnbands: Möchtest du es wissen?
Sebastian: Yeah.
finnbands: Also, als ich über die Fragen nachdachte, nahm ich mir eure CD und wählte einen Teil jedes Songs.
Sebastian: Tatsächlich?
finnbands: Manchmal mehr, manchmal aber auch nur ein einziges Wort.
Sebastian: Oh yeah, wie "Rockstar" und ... genau! Was ist mit "Battle Song"? Ah, Battle of the Bands, yeah ... okay.
Ilari: Der ist mir nicht aufgefallen, aber die anderen!
Sebastian: Was ist mit "Tombstone"?
Ilari: Wake up in the middle of the night.
Sebastian: Ah, ja...wake up in the middle of the night, genau.

finnbands: Alle Texte auf "10 Hits to K.O." sind sozialkritisch...
Sebastian: Sind sie das?
finnbands: Ich denke.
Sebastian: Könnte sein, könnte sein ...
finnbands: Steckt da eine spezielle Bedeutung dahinter?
Sebastian: Nein, weißt du, die meisten Dinge, die ich geschrieben habe…die meisten Lyrics...
Angel hat die Lyrics zu einem Song geschrieben und Rizzie zu zweien. Was ist also auf dem Album? Ich versuche, über meine Erfahrungen zu schreiben. Die meisten habe ich also wirklich selbst so erlebt. In dem Sinn können sie also tatsächlich ein klein wenig kritisch sein, aber dann kannst du hervorheben, dass wir eine Rockband sind und daher zu bestimmten Dingen schon etwas sagen und eine Meinung dazu haben sollten. Wir sind rebellisch.
Ilari: Sie sind zusammengetragen aus vielen Jahren und nicht in einem Jahr entstanden oder so.
Sebastian: Yeah, so an die 7 Jahre sind es inzwischen. Eine Band sind wir seit sieben Jahren.
Ilari: Einige kümmern sich um die Texte als eigenständige Sache und andere sehen darin eher ein Gesamtwerk. Musikalisch meine ich. Es gibt also viele verschiedene Sachen.
Sebastian: Yeah, du meinst, wenn die Songs irgendwie keinen Zusammenhang haben. Aber ja, einige Songs sind kritisch, denn es ist eine Möglichkeit, die sich dir bietet, um kritisch zu sein. Du kannst Dinge beleuchten, die die Leute mal genauer betrachten sollten oder über die sie nicht gern sprechen. Weißt du, als Rockband kannst du fast alles ansprechen, in den Medien oder auf Gigs oder wo auch immer und die Leute sagen "Uh, das ist cool!". Stell dir mal einen Politiker vor, der daher kommt und "Fuck You!" sagt. Das ist nicht cool und du hast in den Medien verloren...oder ein Sportler. Diese Idole für junge Menschen. Sie können nicht einfach öffentlich fluchen. Du bist sofort aus den Medien verbannt. Das ist keine leichte Sache. Zu einer Rockband würde keiner sagen, dass man das nicht tun kann.
finnbands: Aber Rockbands können doch auch das Vorbild junger Menschen sein, wo ist also der Unterschied?
Sebastian: Ja ja, aber wir kommen mit mehr Dingen davon als andere Leute, die in der Öffentlichkeit stehen. Wenn ein Rocksänger in den Medien flucht und seinen Mittelfinger zeigt und solche Sachen, dann ist das cool.
Ilari: Das wird erwartet!
Sebastian: Weißt du, das ist cool, er rockt!
Ilari: Du solltest das auch tun.
Sebastian: Und wenn du in die Vereinigten Staaten gehst, dann wären alle schockiert. Dort kannst du das nicht tun ... wir sollten kritisch sein. Wir haben das Recht dazu. Das ist das, was wir tun müssen.
Ilari: Im Rock geht es um Rebellion auf jede erdenkliche Weise.
Sebastian: Ja, so ist es! Dinge zu tun, die nicht erlaubt sind und das Gesetz zu übertreten!

finnbands: Als wir uns das letzte Mal vor zwei Jahren trafen, hattet ihr bereits einige Songs fertig, die nun auf der CD sind. Ich weiß nicht mehr sicher, welche Songs es waren ... "Secretly mine", "Tombstone" und ein paar andere. Wie ist es für euch, diese älteren Songs immer wieder zu spielen?
Sebastian: Nun...
Ilari: Neue Arrangements.
Sebastian: Yeah, wir arrangieren die Songs neu. So bringen wir wieder neues Leben in sie. Natürlich ist es interessanter, neue Songs zu spielen. Man langweilt sich irgendwann mit den alten Songs. Tag für Tag, Nacht für Nacht, Gig für Gig spielten wir die gleichen Songs. "Sweet Lady" ist der erste Song, den wir als Band je schrieben. Und zu Beginn spielten wir ihn zwei Jahre ohne Unterbrechung jede einzelne Nacht. Und dann hörten wir ganz auf ihn zu spielen. Wir wollten es einfach nicht mehr. Wir hatten neue Songs und spielten dann eben die. Glücklicherweise konnten wir die alten Songs neu arrangieren und ihnen so neues Leben einhauchen. Dann macht es auch wieder Spaß, sie zu spielen. Aber es sind dennoch gute Songs und es macht immer Spaß, gute Songs zu spielen - egal wie oft du sie spielst. Auf der Bühne macht es letztlich sowieso keinen Unterschied. Wenn wir mit dem Gig beginnen, wissen wir schon, dass es Spaß wird. Davor und danach denkst du vielleicht noch "Mist, wir müssen schon wieder diesen Song spielen."
Ilari: Wenn wir Dinge immer wieder proben, dann machen wir neue Arrangements, damit es interessant bleibt.
Sebastian: Yeah, das postive ist, wenn du neue Sachen mit alten Songs planst. Wie z.B. bei dem Tampere Talo Gig, wo uns Feuerjongleure bei "Burn" unterstützten. Wir probten ein paar Mal mit ihnen und dann jonglierten sie Feuerbälle und solche Sachen während der Show und das war ziemlich interessant. Weißt du, solche Sachen kann man machen, wenn es irgendwann zu langweilig wird.

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