Interview mit Seita
MySpace macht die Welt ein bisschen kleiner - zumindest lernten wir SEITA, brasilianischer Metal aus den Niederlanden, auf diesem Weg kennen. Wir unterhielten uns über dies und das, aber lest selbst:TrashAndRiot: "SEITA ist eine vierköpfige Brasilianische Band aus Amsterdam". So beginnt eure Bio.
Wie kam es dazu, dass vier brasilianische Jungs in den Niederlanden starteten?
Michel: Die Geschichte begann vor ein paar Jahren, als ich mit meiner vorherigen Band "Retturn" in die Niederlande kam. Es ist schwierig, mit einer Band in Europa erfolgreich zu sein, aber in Brasilien ist es noch zehnmal schwieriger, deshalb entschieden wir uns für Europa.
Nach ein paar Jahren zog der Rest jener Band nach Brasilien zurück, aber ich blieb in Amsterdam. Nach einer Weile beendete Dom Mura, den ich schon aus Brasilien kenne, seine Zusammenarbeit mit seiner Band "With Pride". Wir trafen uns und entschlossen, eine neue Band zu gründen, SEITA. Mit Edson freundeten wir uns in Amsterdam an und fragten ihn, ob er als Gitarrist in die Band kommen wolle. Wir nahmen Songs auf und als Edson für ein Tattoo in Andres Tattooladen ging, unterhielten sie sich über SEITA und dass wir einen Bassisten suchten und so kam Andre zu uns.
Die Sprache war nie ein Problem für uns, da wir alle Englisch sprechen und auch die meisten Niederländer Englisch können. Aber eine Karriere im Musikgeschäft zu starten, steht auf einem anderen Blatt. Es ist schwierig, einen "normalen" Job zu haben und gleichzeitig in einer Band zu sein. Du hast nie ausreichend Zeit und alles so zu gestalten, wie wir es wollen. Aber wir versuchen es weiter!
TrashAndRiot: Ihr seid inspiriert von den Widersprüchen, der Leidenschaft und der Gewalt eures Heimatlandes. Habt ihr Lust, ein bisschen des brasilianischen Gemüts mit uns zu teilen?
Seita: Vielleicht könnt ihr euch die Filme und Dokumentationen über Brasilien ins Gedächtnis rufen. Zwischen Arm und Reich klafft eine große Lücke. Gleichzeitig gibt es Korruption und Ungerechtigkeit.
In den Niederlanden hat jeder mehr oder weniger die gleichen Chancen, in Brasilien nicht. Deshalb enden viele Kinder in der Kriminalität. Sie suchen nach einem besseren Leben...
Praktisch gesehen hat jeder Brasilianer mindestens einmal, vielleicht sogar mehrmals im Leben ein Gewalterlebnis. Aber gleichzeitig sind die Beziehungen zwischen den Menschen herzlich, vielleicht gerade deswegen. Wir wissen alle, dass das Leben kurz sein kann, deshalb versuchen wir es so gut es geht zu genießen. Wenn du zwei Freunden sagst, dass irgendwo eine Party ist, dann sind dort bald 10 Leute oder 14…. Wir sind ein geselliges Volk!
TrashAndRiot: Für Viele ist Brasilien das Land des Samba und nur wenige werden an Metal denken. Ich glaube, ihr kennt euch mit den europäischen Clichés über Brasilien aus. Was ist daran wahr und was nicht?
Seita: Ich denke, es ist ein Cliché, dass die Leute denken, wir beschäftigen uns ständig mit so etwas wie Karneval. Karneval ist nur wenige Tage im Jahr und es stimmt, dass eine Vielzahl von Personen dieses Event auslebt. Da es so stark in den Medien verbreitet ist, vermittelt es die Vorstellung, dass die ganze Zeit gefeiert würde. Jedoch kämpfen die meisten Leute täglich um das Überleben. Sie verlassen das Haus morgens um 6 Uhr und kommen erst abends um 8 Uhr wieder. Viele Leute haben sogar zwei Jobs. Somit ist Karneval die Zeit des Jahres, wo sie sich entspannen und Spaß haben können.
Ein weiteres Cliché ist, dass wir die besten Fußballspieler der Welt haben. Und dieses Cliché entspricht der Wahrheit (haha)! Jeder hat sein favorisiertes Team, Fußball liegt uns im Blut und es ist wiederum ein guter Weg, die anderen Sachen zu vergessen.
TrashAndRiot: Wenn wir schon über Clichés reden: über die Niederlande / Amsterdam gibt es auch eine Menge. Was denkst du, ist am meisten verbreitet und entspricht nicht der Wahrheit?
Seita: Jedes Cliché hat seinen wahren Hintergrund.
Nicht jeder Holländer ist geizig. Beispielsweise gibt es Leute, die sich nicht für Metal interessieren, die aber dennoch unsere MCD kaufen um uns zu unterstützen. Das ist verdammt cool! Holländer sind kritisch, aber wenn sie sehen, dass du hart arbeitest um dein Ziel zu erreichen, helfen sie dir gerne.
Was Amsterdam angeht: viele Fremde denken, dass die Leute die ganze Zeit stoned sind, aber die meisten rauchen gar kein Gras. Aber es ist schön, dass es hier legal ist.
TrashAndRiot: Derzeit arbeitet ihr an eurem ersten Album, welches 2010 veröffentlicht werden soll. Wie kommt ihr mit der Arbeit voran?
Seita: Wir waren zuletzt sehr mit Konzerten beschäftigt und unter anderem zwei Mal in Süd Korea, was sehr faszinierend war, aber es ließ uns nicht mehr viel Zeit. Wir versuchen jetzt, unsere freie Zeit dazu zu verwenden, neue Songs zu schreiben. Einige haben wir bereits, aber wir sind noch lange nicht durch damit. Wir haben in den kommenden Monaten eine Menge Arbeit vor uns und wollen was richtig Gutes abliefern.
TrashAndRiot: Wie sehen die Pläne zur Veröffentlichung aus?
Habt ihr ein Label oder sucht ihr noch eins? Falls ihr bereits unter Vertrag sein solltet: in welchen Ländern ist eine Veröffentlichung geplant?
Seita: Wir haben keine festen Pläne bezüglich der Veröffentlichung, alles ist offen und möglich. Unsere MCD nutzten wir hauptsächlich, um uns vorzustellen und uns selbst zu promoten. Mit dem Album wollen wir sehen, wie weit wir gehen können. Jedes Land, das Interesse an unserer Musik zeigt, steht als Möglichkeit offen, warum sollte man bestimmte Länder außen vor lassen, wenn es um Musik geht? Wenn die CD fertig ist, werden wir Lables kontaktieren, zu denen wir unserer Meinung nach musikalisch passen und dann werden wir sehen, was passiert.
TrashAndRiot: Eurer Demo "Imprint Forever" wurde von Danny O'Really (Deicide, Biohazard, Napalm Death) gemischt und gemastert. Wie habt ihr euch für die Arbeit mit Danny entschlossen?
Und wer wird der Mann an den Knöpfen für euer Album sein?
Seita: Danny hat bereits mit Michels vorhergehender Band gearbeitet und er sprach sehr enthusiastisch über Danny, also war er der Mann, den wir fragten. Danny ist eine großartige Person zum Zusammenarbeiten und er versteht unsere Musik. Für das nächste Album würden wir gerne wieder mit ihm zusammen arbeiten um das nächste Level zu erreichten.
TrashAndRiot: Eurem Myspace Kalender ist zu entnehmen, dass ihr in naher Zukunft eine Menge Konzerte in Belgien und den Niederlanden spielen werdet.
Wie sah es bei euch bislang mit Konzerten aus?
Seita: Wir haben seit unserem ersten gemeinsamen Gig eine Menge gelernt und lernen mit jedem weiteren Konzert mehr dazu. Wir entwickeln uns auf der Bühne immer noch weiter und wachsen mehr und mehr zu einem Team zusammen. Und wir genießen jedes Konzert und genießen es ebenso, neue Städte und Länder kennen zu lernen.
Als Highlights wären unsere ersten Festivalauftritte zu nennen: Metal Attack in Eibergen /NL, Le Klub in Paris (FRA), Prilpop in Sevenum (NL), BBTH Festival in Mönchengladbach (DE) und natürlich unsere Konzerte in Süd Korea beim Asian Metal Festival (Seoul) und Dongducheon Rock Festival (beide South-Korea).
TrashAndRiot: Wenn du dich an die Konzerte zurück erinnerst, die ihr bislang gespielt habt: was waren die lustigsten Momente, die euch auf der Bühne passiert sind?
Seita: Während wir spielen, sind wir sehr konzentriert, aber die Interaktion mit der Menge ist Spaß. Die wohl lustigste Situation war, als Edson und Andre beim Dongducheon im vorderen Bereich der Bühne waren und die Hitze der Flammen abbekamen. Es war unser erstes Konzert mit Feuer, sie wurden überrascht und hielten mehr Abstand.
TrashAndRiot: Und backstage?
Seita: Das allgemeine Gefühl: die Arbeit ist erledigt, lasst uns mit Freunden und Besuchern ein Bier trinken!
Das Backstage in Süd Korea war eine tolle Erfahrung. Jeder nimmt dich verdammt ernst und ist überaus hilfsbereit. Es scheint dort keinen Wettstreit zwischen den Bands zu geben, nur Bruderschaft.
TrashAndRiot: Im Sommer 2009 wart ihr zwei Mal in Süd Korea. Wie war die Reise und wie war es, dort zu spielen?
Seita: Als wir den ersten Gig in Süd Korea auf dem Asia Metal Festival in Seoul spielten, haben wir uns sehr gut vorbereitet, um einen positiven Eindruck zu machen!
Aber unterwegs hatten wir einige Probleme. Unser Flug wurde drei Mal verschoben und somit verpassten wir unseren Anschlussflug nach Seoul. Die Fluggesellschaft bot uns an, in einem Airport Hotel zu übernachten und den nächsten Tag nach Seoul zu fliegen. Als wir ankamen, mussten wir sofort zum Festivalgelände um den Soundcheck zu machen und warteten dann auf unsere Stagetime. Es war eine sehr ergreifende Erfahrung, nach 55 Reisestunden und Warten endlich auf der Bühne zu stehen! Die Leute waren anfangs eher schüchtern, aber nach einer Weile übertrug sich der Vibe, sie fingen an zu schreien, zu headbangen und hatten wirklich Spaß an dem Konzert!
TrashAndRiot: Ihr habt am "Rock The Nation" Bandwettbewerb teilgenommen. Worum ging es da?
Seita: Bei dem Wettbewerb ging es um einen Booking- und Lablevertrag. Sehr viele Bands haben an diesem Wettbewerb teilgenommen und somit war es sehr schwierig zu gewinnen. Selbstverständlich waren da einige sehr gute Bands dabei, aber es wurden lediglich zwei ausgewählt, eine von ihnen hat bereits eine Menge Erfahrung.
TrashAndRiot: Famous last words.
Seita: Selbstverständlich möchten wir uns für das Interview und das Interesse and SEITA bedanken.
Und wenn ihr Leser neugierig geworden seid, laden wir euch herzlich zu einem Besuch auf unserem Myspace ein: myspace.com/seitaofficial. Ihr findet uns auch bei YouTube, Twitter und Facebook.
Wir würden gerne die deutsche Metalszene kennen lernen. Und neue Kontakte sind jederzeit willkommen!
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