Interview mit Heri Joensen von Týr


Unverhofft kommt manchmal oft und in diesem Fall sah es so aus, dass ich am Morgen vor dem Interview nach 8tägiger Tour im Zug auf dem Weg nach Lübeck saß und eine SMS bekam, die mir mitteilte, dass meine Interviewerin krankheitsbedingt das Bett hüten müsse. Also sprang ich kurzfristig ein - mit akutem Schlafmangel und ebenfalls krank. Aber in diesem Business gibt es nichts zu jammern!
Ohne eine feste Uhrzeit für das Interview zu haben, telefonierte ich mit Tourmanager Mon aus, doch einfach irgendwann am Abend zum Club zu kommen, wo wir uns treffen würden. Gesagt getan und er weckte Heri für uns, mit dem wir uns kurze Zeit später in der Frontlounge des Busses zusammen setzten, einen kurzen Plausch hielten und das Interview führten.

Am 29. Mai 2009, fast auf den Tag genau nach der VÖ von "Land" wird der siebte Longplayer "By The Light Of The Northern Star" (Review) in die Plattenläden kommen, zu dem wir Heri ein paar Fragen stellten.


finnbands: Ihr seid mehr oder weniger die einzige (Metal)band, die man von den Färöer Inseln kennt.
Heri: Ja *lacht*. Naja, da gibt es noch eine, aber die sind nicht so bekannt.
finnbands: Ja, SIC sind noch nicht so bekannt. Aber gibt es auf den Inseln so etwas wie eine Metal Szene?
Heri: Ja, es gibt ein paar Metal Bands. Ich würde es nicht Metal Szene als solches nennen. Es gibt ein paar Bands, die ein paar Konzerte im Jahr spielen. Und einige davon versuchen, internationale Aufmerksamkeit zu erregen, wie SIC beispielsweise. So sieht's aus.

finnbands: Eure Songs beinhalten traditionelle Themen eurer Heimat. Wie haben die Leute bei euch zu Hause darauf reagiert?
Heri: Das ist ganz unterschiedlich. Einige, besonders diejenigen, die die Geschichte und die alten Traditionen kennen, finden es nicht so gut. Sie denken, wir zerstören die alten Relikte oder bringen sie in Verruf. Aber es gibt auch Leute, die es mögen, weil wir das Interesse daran wecken - besonders die jungen Leute. Und dann natürlich die Leute, die nicht von den Faröern kommen und nichts von den alten Traditionen wissen. Sie haben also keine Meinung dazu.

finnbands: Wie wichtig sind euch persönlich die alten Traditionen?
Heri: Würde es sie nicht geben, könnten wir diese Musik nicht machen. Also bin ich sehr dankbar, dass sie auf den Färöer in diesem Ausmaß fortbestehen oder überlebt haben. Das macht es uns möglich, sehr authentischen Pagan Viking Metal zu machen.

finnbands: Ihr habt zwei Touren in den USA hinter euch gebracht. Denkst du, dass es einen Unterschied zwischen dem Publikum dort und dem in Europa gibt?
Heri: Ja! Ich denke, sie waren an den meisten Orten sehr glücklich, dass wir in die USA gekommen sind. Sie sind dort sehr unterstützend. Und ich denke Bands wie wir kommen dort nicht so oft hin. Wir waren im vergangenen Jahr auf dem Paganfest und ich denke, die meisten Bands, die dort gespielt haben, sind nie zuvor dort gewesen. Wenn die Leute die Gelegenheit haben, kommen sie zu den Konzerten. Und du bekommst richtiges Feedback vom Publikum. Wenn du im Gegensatz dazu beispielsweise in Deutschland tourst, wo du die Möglichkeit hast, sehr viele Konzerte zu sehen, ist es viel schwieriger, die Leute zu beeindrucken.

finnbands: Ihr spielt in großen und in kleinen Hallen. Welche Größe bevorzugst du?
Heri: Bezüglich des Kontaktes zum Publikum sind die kleinen Hallen besser. Aber wenn du gute technische Umstände willst, guten Monitorsound beispielsweise oder Platz auf der Bühne, musst du in die großen Hallen gehen. Der Nachteil da ist, dass es manchmal drei Meter Platz bis zur ersten Reihe mit Leuten gibt und du die Distanz fühlst. Aber größere Hallen zahlen besser. Also *lacht* beides hat seine Vor- und Nachteile.
finnbands: Aber du magst das Zusammenspiel mit dem Publikum?
Heri: Ja ja, ich mag das, aber ich muss auch bezahlt werden.
finnbands: Klar!

Spielst du lieber live oder arbeitest du lieber an neuem Material für die Alben?
Heri: Ich denke, live zu spielen ist das Beste daran, in einer Band zu sein. Danach kommt das Songwriting. Und was ich am wenigsten daran mag, in einer Band zu sein ist, im Studio zu sein.
finnbands: Warum magst du es nicht?
Heri: Das ist etwas ganz Spezielles. Du musst für lange Zeit sehr konzentriert sein und du musst…. Alles, jeder noch so kleine Fehler den du machst, fällt auf und du kannst dich nicht hinter all dem Lärm verstecken wie bei einem Liveauftritt. Da machst du einen kleinen Fehler und keiner hört es, dann machst du einfach weiter. Aber im Studio muss jedes winzige Detail perfekt sein und das kann sehr stressig sein.

finnbands: Letztes Jahr habt ihr die letzte CD "Land" veröffentlicht und bald, in etwa vier Wochen, veröffentlicht ihr schon "By The Light Of The Northern Star". Wie habt ihr die Zeit gefunden zwei Alben innerhalb nur eines Jahres zu schreiben und aufzunehmen.
Heri: Nun, ich begann direkt nach der Veröffentlichung des letzten Albums die Musik zu schreiben. Und wir hatten drei Monate frei, wo ich das Album schrieb und aufnahm. Es war nicht besonders gehetzt oder so. Und du musst bedenken, dass dieses Album viel einfacher ist als die Vorgänger. Es war also nicht so schwierig, die Musik zu schreiben. Es ist also nicht so sehr eine Frage, die Zeit zu finden, sondern die zur Verfügung stehende Zeit zu nutzen. Ich habe mich nicht zeitlich unter Druck gesetzt gefühlt.
finnbands: Spielt ihr heute Abend Songs vom neuen Album?
Heri: Ja, wir spielen drei Songs.

finnbands: Was ist die Geschichte, die sich hinter "By The Light Of The Northern Star" verbirgt?
Heri: Das Konzept hinter dem Album ist der Widerstand im Wikingerzeitalter gegen die Christianisierung der Färöer Inseln, wie diese die Gegenwart beeinflusst und der Widerstand gegen Religion als solches in der heutigen Zeit. Auf dem Album durchbricht der Hauptdarsteller….. Es ist kein Geschichtenbuch, aber es pickt einige Geschehnisse heraus und findet sich im Titeltrack "By The Light Of The Northern Star".

finnbands: Und welche Geschichte verbirgt sich hinter dem Cover?
Heri: Ich habe die Texte und Songs dem Künstler geschickt und er kam von sich aus auf die Idee. Der Mann auf dem Cover wendet sich zu Gott und leistet der Christianisierung Widerstand. Es spiegelt nicht die Geschichte wider, die wir auf dem Album haben, aber es unterstreicht die Idee des Albums. Er dachte sich diese Motiv beruhend auf dem Konzept, welches wir haben, aus.

finnbands: Ihr spielt Vikingmetal mit eigenem Stil. Einige eurer Songs sind in färöisch und einige in Englisch. Gibt es einen Unterschied zwischen den Sprachen beim Singen?
Heri: Die traditionellen Songs sind in färöisch, aber ich glaube, einige sind auch in Englisch. Sie existieren bereits mit ihren Lyrics. Wenn du die Tratition nutzt wie beispielsweise in …… dann sind sie schon vorhanden. Ich übersetzte sie nicht, ich singe sie so wie sie sind. Aber fast all die Songs, die ich selbst geschrieben habe, sind in Englisch. Ich glaube, ich habe zwei Stücke in färöisch geschrieben. So sieht es aus. Wenn es eine traditionelle Geschichte ist, dann ist es färöisch. Und wenn ich selbst schreibe, dann ist es wahrscheinlich in Englisch oder wie gesagt in zwei Songs if färöisch. Ich muss nicht drüber nachdenken, welche Sprache ich wähle.

finnbands: Ok, ich bin soweit durch. Danke dir!
Heri: Vielen Dank!


Wir unterhielten uns noch kurz und brachen dann schnell auf, um die letzen Songs von Heidevolk nicht zu verpassen. Und Heri musste sich für seinen Auftritt vorbereiten.

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