Die Subjektivität einer CD Review
Wenn man etwas reviewen soll - und ich möchte mich hierbei der Einfachheit halber auf CDs beschränken, dann bewertet man diese immer irgendwie - subjektiv.
Denn man beurteilt nicht ausschließlich das musikalische Können der Band, sondern der persönliche Geschmack und eventuelle Erwartungen spielen immer mit rein. Natürlich versucht man dies zu vermeiden und eine Aussage wie "Das ist Mist, weil das Metal ist und ich nur Hip Hop mag." oder Ähnliches geht natürlich gar nicht. Solche Aussagen sind unqualifiziert und einfach nur dämlich.
Kürzlich schmiss ich eine CD einer mir bislang unbekannten Band in meinen Player. Im Beipackzettel stand "Thrash" und das weckte Erwartungen. Da ich in letzter Zeit viel Modern Thrash hörte, war ich mehr oder weniger entsetzt, Old School auf die Ohren zu bekommen und neigte dazu, mich zu langweilen. Mal davon abgesehen zeigte die Uhr 5:50 am Morgen und ich befand mich halb verschlafen auf dem Weg zur Arbeit. Just in diesem Moment irgendwelche Gedanken über die Musik zu Monitor zu bringen (oder vorläufig zu Notizblock, ich saß ja im Auto) hätte also in einer fatalen Review enden können und ich würde der Band absolutes Unrecht zukommen lassen.
Also entwickelten sich hier zwei Möglichkeiten: den Tag hinter mich bringen und die CD noch einmal hören - eventuell geschafft, aber immerhin in dem nacharbeitlichen Dämmerzustand, nicht in dem Morgendlichen. Nen Kaffee oder zwei hat es dann auch schon gegeben und die musikalischen Erwartungen haben den Weg in die richtige Schublade gefunden. Oder aber die CD jemandem geben, der sich besser im Old School auskennt und seine Vorzüge im Vergleich zum Modern Thrash zu schätzen weiß.
Manchmal ist es auch so, dass man eine CD zum ersten Mal hört und absolute Schwierigkeiten hat, ihr eine weitere Umdrehung zukommen zu lassen, weil man sich einfach nicht mit ihr anfreunden kann, auch wenn es "seine" Musikrichtig ist - oder gerade wenn es ein Folgewerk einer Band ist, die man einstmals sehr schätzte und sich die Band scheinbar in eine andere Richtung weiter entwickelte als man selbst. Manchmal hasst man eine solche CD am Anfang, aber weil man sie reviewen "muss" und etwas Brauchbares schreiben will, hört man sie im Idealfall noch ein paar Male und liebt sie vielleicht irgendwann - oder auch nicht.
Genau dies kann einem aber auch anders herum passieren. Man schmeißt eine CD ein, ist absolut begeistert, schreibt und schreibt, weil man viele Gedanken dazu der Nachwelt hinterlassen will - ihr mitteilen, was ein geniales Werk da auf dem Markt ist. Und weil diese Scheibe eben so toll ist, hört man sie in Endlosschleife - und denkt nach drei Tagen, wie man sie so gut reviewen konnte oder warum man genau die eine Stelle da so toll fand, die einen jetzt so dermaßen nervt.
Genau das Nerven ist so ein Punkt. Der eine oder andere Musiker legt eine beeindruckende Virtuosität an den Tag und ist sicher ein Meister an seinem Instrument. Dennoch kann der noch so geneigte Hörer und Reviewer, der eben "nur" Hörer und Reviewer ist, aber kein Meister an diesem Instrument, von diesem zur-Schau-Stellen der musikalischen Möglichkeiten und Fähigkeiten absolut genervt sein. Er mag das Album aus diesem Grund für überproduziert halten, es als zu sololastig empfinden oder dass die anderen Instrumente von diesem einen erdrückt oder zu sehr in den Hintergrund gedrängt werden. Ein genervt sein soll niemals das Können einzelner Musiker anzweifeln. Am Ende ist jedoch ein Album ein Gesamtkunstwerk und Musik sollte für den unbedarften Hörer gemacht werden und nicht für Musiker - oder nicht nur.
Ein Album ist ein Kunstwerk, Musik ist Kunst - Kunst IST Geschmacksache, egal ob in Wort, Bild oder Ton.
Also endet eine Bewertung wohl immer subjektiv.
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