Funeral Nation Tour 2009
Fleshgod Apocalypse, The Ordher, Vader & Marduk
Wenn man eines schönen Abends durch Berlin schleicht, einem schwarz gekleidete Menschen laut lachend entgegenkommen und dieser Strom nicht enden mag, dann ist irgendwas im K17 los. Nun war dies an diesen Abend nicht nur irgendetwas, sondern Marduk und Vader zusammen mit Fleshgod Apocalypse und The Ordher, die zum stell dich ein luden. Genannt: Funeral Nation Tour 2009.
Langsam füllte sich auch die Halle, ungeduldig wurde gewartet und als die ersten Töne aus den Boxen drangen wurde das Publikum plötzlich still. Opener waren Fleshgod Apocalypse, die ein klassisches Musikstück als Intro einspielten, was einfach mal so unpassend war, dass ihnen die Aufmerksamkeit von jedem gewiss war. Guter Schachzug, aber die Italiener können zu Glück auch etwas mehr und so waren die Leuten nach dem ersten Schock recht schnell einverstanden mit dem, was ihnen geboten wurden. Deathmetal mit geradlinigem Gesang, Wahnsinns Highspeed Riffs und vor allem ein perfektes Zusammenspiel mit den doch irgendwie merkwürdig anmutenden Klassik-Elementen. Das ist neu, ungewohnt, aber gut und sorgte für Bewegung im Publikum. Kommentar dazu aus eben diesen: "Wie krank ist das denn, aber geil!" Man nehme das als Kompliment.
Setlist:
Infection of the white throne | As tyrants fall | Sophistic demise| Embodied deception
Blinded by fear (at the gates cover)| In honour of reason
Infection of the white throne | As tyrants fall | Sophistic demise| Embodied deception
Blinded by fear (at the gates cover)| In honour of reason
Nach einer kurzen Umbaupause kamen The Ordher aus Brasilien auf die Bühne. Früher einmal ‚The Order' änderten sie später den Namen, als sie entdecken, dass sich noch eine weitere Band mit diesem Namen schmückte. Ihr Musikstil lässt sich so am besten beschreiben: Death Metal extrem mit Elementen aus Thrash und Heavy Metal sowie auch Rockmusic gepaart. Klingt leider spannender als es an diesem Abend auf der Bühne zu erleben war. Die Stimmung im Publikum hielt sich zwar, aber unglaublich beeindruckend war es nun auch nicht. Sie sind gut, dagegen ist nichts einzuwenden, aber der Funke wollte nicht so recht überspringen. Die Band selbst machte auch nicht den Eindruck als ob sie mit allem so zufrieden waren. Der Sound war an dem Abend zwar durchweg gut, nur die Instrumente hatten etwas gegen den Gig. Das Drumset von Cassio Canto zum Beispiel musste zwischenzeitlich von einem netten Menschen der Crew festgehalten und so vor dem Auseinanderfallen bewahrt werden.
Danach wurde wieder fleißig umgebaut. Mit dem Ergebnis, das nun die Gitarre von Vader Gitarrist Vogg nichts so machen wollte, wie sie wohl sollte. Selbst der Meister persönlich musste kämpfen ehe es nach etwa einer Stunde weitergehen konnte.
Als Vader dann endlich auf der Bühne waren, gab es im Publikum kein Halten mehr. Alles was sich in der Mitte der Halle befand und nicht schnell genug flüchten konnte, fand sich in einem großen Circlepit wieder. Seit rund einem Vierteljahrhundert sind die Polen bereits in der Metalwelt aktiv und haben sich an diesem Abend auch gebührend feiern lassen. Hatten ja auch alle etwas davon, die Death Metal-Veteranen spielten und die Leute vor der Bühne bangten, als ob es kein Morgen mehr geben würde. Erst im August hatte die Band ihr mittlerweile elftes Stuodioalbum ‚Necropolis' veröffentlicht. Sänger Peter sprach ab und an ein paar deutsche Worte und auch Bassist Reyash motivierte das Publikum zu immer noch mehr von allem.
Pauls Drumset riss sich am Riemen, aber natürlich nahm die Gitarre ihre Niederlage nicht ganz hin und zickte immer mal wieder etwas vor sich hin, Vogg quittierte das mit einem Lächeln und spielte trotzig und glanzvoll seine Parts.
Die Band spielte drei Zugaben und selbst danach verlangten viele Leute aus der Menge noch nach mehr.
Aber schließlich sollten Marduk auch noch zum Zuge kommen. Nach dreißig Minuten erlosch das Licht und die Panzer Division Marduk nahm die Bühne ein. Diesmal musste man zwar nicht um sein Leben laufen, als Lars an dem Drums den Einstieg machte - Spaß hatten wir trotzdem. Die Songs der Schweden zeichnen sich durch eine brachiale Härte aus, welche den vorangegangen Bands in nichts nachstand. Sänger Mortuus agierte viel mit den Leuten im Publikum, was die Stimmung mehr und mehr anfachte. Die Halle war nun auch restlos gefüllt und je nachdem was verlangt wurde sah man ein Meer aus Fäusten oder einfach ein riesiges Haargewirr anstelle von Menschen.
Die Band, die laut offizieller Biographie mit dem Ziel gegründet wurde, die satanistischste und blasphemischste Band aller Zeiten zu werden, spielte in rasendem Tempo, extrem brutal und auf spielerisch hohen Niveau einen Hammersong nach dem anderen. Die Meute, welche im Übrigen sogar textsicher war -wie auch immer man das auch hinbekommen hatte- verlangte trotzdem mehr.
Die Stimmung schwankte bei neueren Songs wie gewohnt etwas, war aber durchweg immer sehr gut.
Und siehe da, nun spielten auch die Instrumente mit: Morgans Gitarre und Devos Bass ließen sich brav auf den Saiten rumhämmern und hätten im Vergleich zum Vorgänger wohl eher Grund zum Protest wegen zu grober Behandlung gehabt.
Im Übrigen haben Marduk gerade ihr ebenfalls elftes Studioalbum mit dem Namen "Wormwood" veröffentlicht.
Leider fiel das Ganze Spektakel auf einen Donnerstag, was in der Weltstadt Berlin heißt: Die Bahnen fahren nicht die ganze Nacht und durch die lange Umbauphase vor Vader mussten nun viele schon vor dem eigentlich Ende des Gigs los um noch irgendwie den Weg nach Hause zu schaffen. Was in anbetracht der guten Stimmung und des Spaßpegels einfach mal wahnsinnig schade war.
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