Bericht: Tammerfest 2009


TAMMERFEST

Das Tammerfest ist ein Stadtfestival im finnischen Tampere, ca. 200 km nordwestlich von Helsinki gelegen.
Dieses Jahr feierte das Tammerfest seinen 15. Geburtstag. Zu diesem Anlass traten einige finnische Größen auf, wie z.B. Popeda, PMMP, Yö und viele mehr. Auf über 20 Bühnen - extra aufgebaute Open Air Anlagen sowie ein großes Zelt auf dem Keskustori, aber auch in vielen Bars und Clubs in der Innenstadt von Tampere verteilt, wurde in den vier Tagen Festival Musik vom Feinsten angeboten. In den vergangenen Jahren etablierte sich das Tammerfest zu einem der größten Stadtfestivals Finnlands und konnte in seinem Jubiläumsjahr ca. 80.000 Besucher aufweisen.

Erster Tag - 08.07.2009

Als Auftakt des ersten Abends und somit auch des gesamten Festivals schauten wir uns Pete Parkkonen an. Pete ist der Gewinner 2008 der Castingshow "Idol". Er reiste mit Band an, in der u.a. Ilari (Bass) von Naked spielt. Pete ist erst 19 Jahre alt und so wundert es einen nicht, dass auffällig viele junge Mädchen vor der Bühne standen und seine Songs mitsangen. Pete hat eine starke Bühnenpräsenz, zieht das Publikum mit und überzeugt mit frischer Musik. Seine Songs gehen in Richtung Disco Ensemble, nur ohne Keyboard. Als Zugabe sang Pete u.a. "Womanizer" von Britney Spears. Der Herr ist nur zu empfehlen, es macht Spaß ihn performen zu sehen.

Nach dem Gig ging es für uns ins Amadeus, wo Matthau Mikojan seinen ersten Auftritt (von dreien in diesen Tagen in unterschiedlichen Bars) hatte.
Das Amadeus ist wohl die bekannteste Bar in Tampere, nicht alleine schon wegen ihren Stammgästen.
Die "Bühne" ist nicht wahnsinnig groß und so hatten Matthau und Band kaum Platz. Sie spielten Songs wie "Stiletto Heels", "Chasing Ghosts" und "Too Fortunate To Cry" und insgesamt eine gute Mischung aus beiden bisher veröffentlichten Alben.
Vor der Bühne drängelten sich die weiblichen Fans um Fotos zu machen. Andere saßen gemütlich an den Tischen oder standen an der Bar und hörten dem Konzert zu. Der Sound in der Bar ist nicht der Beste, aber das Amadeus ist auch nicht die richtige Location, um ein Konzert zu veranstalten. Gesanglich so wie musikalisch war es trotzdem gut und nach einer Stunde bedankte sich die Band. Sie gaben am Ende den Fans Autogramme und machten geduldig Fotos mit ihnen.

Gut, dass das Pakkahuone nicht weit vom Amadeus entfernt ist, so kamen wir pünktlich zum Soulfly Konzert. Die Band um den Brasilianer Max Cavalera, der bis 1996 Sepulturas Sprachrohr war, kommt aus Amerika und sie sind in der Metalszene keine Unbekannten.
Durch ihren doch großen Bekanntheitsgrad hätten wir mit einer gut gefüllten Halle gerechnet, aber die Wahrheit sah etwas anders aus. Nur die ersten paar Reihen vor der Absperrung waren gefüllt, hinten an den Bars standen vereinzelt Leute, aber von einem Andrang konnte man nicht sprechen. Es lag wohl daran, dass das Konzert relativ kurzfristig bestätigt wurde, es mitten in der Woche war und erst um 00:30 Uhr anfangen sollte.
Die Stimmung von den Fans und Band war trotzdem ausgelassen. Mit einem lauten Jubeln wurden Soulfly nicht nur von den in brasilianischen Farben gekleideten Anhängern begrüßt. Max hatte seine alte Army Jacke mit deutschem Abzeichen herausgekramt und heizte die Menge an. In den ersten Reihen wurde zur Musik mitgegrölt, gepogt und es bildete sich ein Circlepit.
Einige Songs aus dem neuen Album "Conquer" wurden gespielt sowie auch ältere Stücke.

Zweiter Tag - 09.07.2009



Auf der Vuolteentori Lava machten den Anfang des Abends. Gerade beim etwas älteren Publikum kam die Band gut an und trotz immer wieder einsetzender Regenschauer war der Hang der K18 Area sowie auch das Areal davor voll - wenn man auch das Gefühl hatte, auf ein Meer aus durchsichtigen Plastikregenjacken zu schauen.
Yö kommen aus Pori und gründeten sich 1981. Sie singen ausschließlich auf Finnisch und gehören zu den beliebtesten Rockbands ihres Heimatlandes. Ihre Fans sangen, tanzten und feierten ihre Altrocker. Diese gaben Einiges und Songs wie "Tia Maria" und "Rakkaus On Lumivalkoinen" durften nicht fehlen.




Gleich nach Yö und der obligatorischen Umbaupause waren Popeda an der Reihe. Auch sie gehören in Finnland zu den ganz Großen. Popeda hatten ein Heimspiel, sie kommen aus Tampere und machen seit 1977 Musik. Was man vielleicht dazu sagen muss ist, dass Pate (Sänger) noch als Einziger seit der Gründung dabei ist; die Anderen wechselten in den letzten Jahren. Sie werden auch die "finnischen Rolling Stones" genannt, spielen aber guten Rock'n'Roll auf Finnisch.
Pate flirtete mit dem Publikum und ließ seinen Charme spielen. Von jung bis alt, ihre Zuschauer sind super gemischt, denn auf ihre alten Tagen rocken Popeda noch immer. Für gute Stimmung sorgen sie auf jeden Fall. Ruhig in der Ecke stehen, geht bei der Band nicht.



Im Ruma spielten heute Dead by Gun, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Das Quartett erinnert einen an die Ramones. Sie sind lebendig auf der Bühne, punklastig mit schönen Melodien. Die Songs reißen einen mit, sorgten auch im Publikum für gute Stimmung. Einige tanzten zur Musik, ließen sich gehen und feierten die Band. Es war witzig anzusehen, wie manche regelrecht aus sich herausgingen - der Alkohol war wohl in diesem Augenblick wohl auch nicht ganz unschuldig. Die Riffs waren klasse, nur die Lautstärke war einfach ein Ticken zu viel für den Club. Während des Konzertes, machte Chris (Gesang und Gitarre) den Marktschreier und bot ihre Bandshirts an, die Ähnlichkeit mit dem Schriftzug von Guns'n'Roses haben.

Im Inferno traten noch zu später Stunde Nitrokiss auf und wurdem vom überwiegend weiblichen Publikum gefeiert. In einer gechillten Atmosphäre spielten sie Akustikversionen ihrer Songs, die ziemlich ruhig waren.
Da die Jungs auf Hockern saßen und einige Mädels nur am Fotografieren waren, konnte man von der Band irgendwann nicht mehr viel sehen und dies zerstörte die zuvor noch angenehme Stimmung.




Dritter Tag - 10.07.2009

Ein sonniger Tag und damit perfekt um zur Vuolteentori Lava zu gehen und sich Happoradio anzuschauen. Sie wurden von der Moderatorin angekündigt und mit einem großen Applaus begrüßt. Happoradio gaben ihre Hits wie "Olette Kauniita" und "Puh Aanella Jonka Kuulen" zum Besten. Anfangs spielten sie noch ruhigere Stücke, doch zum Ende hin wurde es rockiger. Gechillte Stimmung herrschte beim Publikum, das auf dem Berg vor der Bühne saß und die Atmosphäre auf sich wirken ließ.
Happoradio haben eine gute Performance hingelegt und waren genau das Richtige um mal abzuschalten.

Nach Happoradio wollten wir zu Flinch ins Ruma. Leider machte uns die Organisation von Seiten des Clubs einen Strich durch die Rechnung, so können wir weder von Flinch berichten noch Fotos anbieten. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Um ein bisschen Abwechslung auf die Ohren zu bekommen, machten wir uns auf zu Nicole in den überaus gefüllten Klubi. Die Death Metal Combo aus Seinäjoki gründete sich 1997.
Pünktlich kamen die Jungs auf die Bühne und hatten das Publikum gleich in der Hand. Nach Aufforderung von Ikka (Sänger) pogten einige Leute und hatten ihren Spaß, aus einer handvoll Fans bildete sich ein rasender Circlepit, der jedoch nicht mit dem Spieltempo der Mannen an den Instrumenten mithalten konnte. Dazu kommt, dass Ikka an der Gitarre versierter ist als sein eigentlicher Gitarrist. Dies weckte unsere Aufmerksamkeit umso mehr und rief durchaus Freude hervor. Die Band lieferte eine gute Show ab und rockte.

Den Abschluss des Abends bildeten Kotiteollisuus um 0.30 Uhr im Pakkahuone. Der Durchgang vom Klubi war geöffnet und nach Nicole hieß es durchdrängeln und versuchen, irgendwie nicht im Weg zu stehen. Bei einem kurzen Abstecher in den Außenbereich versuchten wir, frische Luft zu schnappen, da in beiden Locations Sauerstoff Mangelware zu sein schien. Bewegungsfreiraum war dort allerdings wie im gesamten Venue nicht -und das bereits eine gute Stunde vor Konzertbeginn. Nach und nach drängten immer mehr Leute herein und wir begannen uns zu fragen, wo sie denn alle noch hinpassen wollten.
Kotiteollisuus sind drei Mannen aus Lappeenranta, die sich bereits 1991 zusammenfanden und klassischen Heavy Metal spielen. Sie lieferten ein solides Set und verstanden es, die Massen zu begeistern.

Vierter Tag - 11.7.2009

Auf der Noste-Lava spielten wie schon am Vortag den ganzen Nachmittag über lokale (Nachwuchs)bands. Da hier der Eintritt frei war, machten es sich viele Leute vor der Bühne gemütlich, hatten Decken ausgebreitet oder sich auf die Bänke gesetzt. Leider war das Wetter der Veranstaltung nicht wohlgesonnen und so regnete es aus Eimern, als White Flame an der Reihe waren. Viele Kids standen trotzdem vor der aus Sporthallenbänken bestehenden Absperrung und hatten genauso viel Spaß wie die Band, die für den Auftritt in ihrer Heimatstadt mit einer zweiten Gitarre, bedient von Laz (Bullet Ride) aufwartete. Vince (Gesang) fegte über die Bühne und sang dabei Songs wie, "Certainly Something", "Tall Thin In" und "Yesterday's News". Das Publikum war begeistert, viele sangen textsicher mit. Trotz des locationbedingt nicht schmeichelhaften Sounds hörte sich die Rockröhre von Vince gewohnt überzeugend an. Die Jungs waren gut drauf und auch die kleinen Soli am Schlagzeug von Jony waren hervorragend.

Wiederum aus organisatiorischen Gründen schauten wir uns das Konzert von The Winyls im Ruma nicht an, fanden aber einen adäquaten Ersatz mit Vince'n'Roses im Amadeus: Vince (White Flame) sang, Simo (Matthau Mikojan) an den Drums und Klaus (Bullet Ride) am Bass. Die drei coverten von zwei weiteren Freunden an den Gitarren unterstützt Guns'n'Roses Songs. Das Amadeus war bis oben hin voll, sich bewegen war kaum möglich. Die Band rockte und gab trotz kleiner Bühne alles. Sogar Vince fand noch Platz herum zu tanzen. Es war ein toller Abschluss für das Festival.



2010 wird das Tammerfest erst in der zweiten Juliwoche vom 14. bis 17. Juli stattfinden!

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