Bericht: The Pleasures


Im September 2009 erreichten die Hamburger The Pleasures endlich ein lang ersehntes und hart erarbeitetes Ziel: den ersten Plattenvertrag. So riefen sie nur wenig später zur Release Party ihres Albums "Oh Yeah Revolution".
Für Kenner der Band nicht ganz so neu, ist dies doch mehr oder weniger ein "Best Of" der vorangegangenen, selbst produzierten, selbst veröffentlichten, selbst vermarkten und ausverkauften Doppelscheibe "Oh Yeah" mit Neuauflagen alter Hits.
Nichts desto trotz fand sich "die Familie", wie sich die eingeschworene Fangemeinde liebevoll nennt, fast vollständig und dafür unter anderem sogar aus der Schweiz angereist, im dunklen Keller des Hamburger Molotows ein. Auch viele neue Gesichter sorgten für einen vollen Raum, in dem die Stimmung während der guten Stunde des Auftrittes kochte, bis der Schweiß troff. Bereits lange bevor die Türen öffneten, sollen schon die ersten Fans gesichtet worden sein.

Nun gehen tatsächlich viele zu einem Familientreffen, aber all dies würde ohne fünf Herren auf der Bühne nicht so sein. Dancette (Gesang und Keys), Lord (Gesang und Gitarre), Sensai (Bass), Neo Patra (Gitarre) und Disco (Drums) sorgen nicht nur für die Musik und Stimmung, sondern sind auch wichtiger Teil des Ganzen.
Kurz nach 21 Uhr betraten sie sehnlichst erwartet, in die schillerndsten Farben gehüllt und in Make-Up der besonderen Art getaucht die Bühne zum Intro "Awesomesauce", um es gleich darauf mit dem Kracher "Parade, Parade" von der seit Urzeiten ausverkauften ErstlingsEP "Cuming Out" in einer 2009er Version des neuen Albums krachen zu lassen. Mit dem "Bang Bang Bang"-Refrain von "Pumpgun Baby" wurde die Stimmung auf die Spitze getrieben.
"Wir werden nicht einfach das neue Album herunterspielen, ihr sollt es euch kaufen" - oder mit ähnlichen Worten bereitete Dancette das Publikum auf das vor, was noch folgen sollte: unter anderem der achtziger Jahre angehauchte Track "Freedom", zu dem bereits vor einiger Zeit auch ein Video veröffentlicht wurde. Mit dem Huey Lewis and the News Song "Hip To Be Square" wurde ein Cover in das Set des Fünfers aufgenommen, welches im Publikum wegen scheinbarer Unkenntnis des Originals für Verwirrung sorgte und gegen Ende des Gigs hin von Lord damit kommentiert wurde, dass doch normalerweise bei Coversongs die Menge viel mehr ausrasten würde. Er bedankte sich mit einer Verbeugung dafür, dass dies nicht so war, sondern das Publikum die pleasuresquen Songs wesentlich frenetischer feierte.
Mit "Please Don't Let The Music Die", "Break All The Walls" (einem neuen und bislang unveröffentlichten Track) und "Off The Wire" folgte ein ruhigerer Teil des Abends, dabei jedoch nicht mit geringerer Partystimmung. Und seit der ersten Liveperformance von "Honeymoon In Venice" hält dieser Song, den Lord einstmals angeblich auf einem Rückflug aus Venedig schrieb, sowieso niemanden auf den nicht vorhandenen Sitzen - egal ob in der Ursprungsversion oder der Neuauflage. Selbstverständlich ließen The Pleasures es sich nicht nehmen, eine oder zwei Anekdoten zum Besten zu geben - so kennt man sie und ohne ihre Geschichten und Späße zwischen den Songs wäre sie nicht, was sie sind. Oder auch einem Sensai, der mit seinem Bass eine Runde durch das Publikum dreht, um sich einfach mal anzusehen, wie seine Bandkollegen aus der Menge betrachtet wirken und ihnen zu verkünden, sie sollen dies auch einmal probieren, denn es sähe fantastisch aus.
"When You're Dead" reflektierte noch einmal die Freude dessen, was man alles nicht erleben kann, wenn man tot ist. Und "Some Like It Rock" beendete das offizielle Set.

So einfach wollte das Publikum seine bunten Helden aber nicht gehen lassen und forderte lautstark nach Zugabe, welche vom Lord mit der Ankündigung eingeleitet wurde, dass es in dem nächsten Song Pleasures-untypisch nicht um Sex ginge, wie ja sonst auch nicht und er ließ ein hämisches Grinsen über sein Gesicht huschen. "Yes Means Yes And No Means Harder" sollte folgen. Krönender Abschluss des Abends war das T-Rex Cover "Children Of The Revolution" zu dem die Kinder der Familie, oder eben auch Revolution, auf die Bühne geholt wurden, um noch einmal richtig gemeinsam abzufeiern.

Setlist:
Awesomesauce | Parade, Parade 2009 | Pumpgun Baby | Freedom | Hip To Be Square | Please Don't Let The Music Die | Break All The Walls | Off The Wire | Honeymoon In Venice 2009 | Shake Life | When You're Dead | Juicy Jacuzzi | Some Like It Rock
Yes Means Yes And No Means Harder | Children Of The Revolution



Vielleicht sind The Pleasures kein Mainstream, aber ein jedes Konzert von ihnen ist eine wahnsinnige Party - vor und auf der Bühne. Und wer sich selbst nicht so ernst nimmt und auch das Erscheinungsbild der Fünf mit einem lächelnden Auge betrachtet, der sollte ihre Europatour zum Anlass nehmen, einen Ausflug in die surreale, geschlechterübergreifende Welt zu wagen und sich ein Erlebnis der ganz anderen Art nicht entgehen lassen!

06. Nov. 2009 Panama, Amsterdam
07. Nov. 2009 Lane, Oostburg
08. Nov. 2009 Little Devil, Tilburg
09. Nov. 2009 MTC, Köln
10. Nov. 2009 Logo, Hamburg
25. Nov. 2009 The Gaff, London
26. Nov. 2009 Rhondda, Porth
27. Nov. 2009 Gasworks, Bradford
28. Nov. 2009 Yardbirds, Grimsby
29. Nov. 2009 The Maze, Nottingham
19. Dez. 2009 Zeppelin Club, Schwerin
13. Jan. 2010 Logo, Hamburg
15. Jan. 2010 TV-Club, Greifswald


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